Ungebremst zur Bremsflüssigkeit

Für die Motorradfahrenden unter uns ist die Safebike eine fantastische Gelegenheit die Sinne und Reflexe für den Straßenverkehrswahnsinn wieder zu schärfen. Normalerweise im Frühsommer, aber leider haben die diversen Lockdowns und Restriktionen das bis Ende August verhindert.
Obwohl Motorradfahren eine brilliante Alternative für so manches fragwürdiges Verkehrskonzept darstellen würde, wird auf uns bei der Städte- und Verkehrsplanung wenig bis gar nicht Rücksicht genommen. (mehr dazu auch noch am Ende)
Und, bis auf wenige Ausnahmen gibt uns die Fahrschule gerade das absolute Minimum an Werkzeug für das tägliche “Überleben” mit.
Umso fantastischer ist damit eine Institution wie die Safebike, die es sich mit ihrer genialen Auswahl an Trainern zur Aufgabe gemacht hat, die richtigen Impulse zu finden.
Es ist die wunderbar unorthodoxe Art, wie notwendige Kompetenzen verpackt werden. Die Trainer schaffen es immer wieder mit unerwarteten Ansagen neue Herausforderungen in das Programm einbauen 🙂
So manche(r) wird hier vielleicht verzweifeln, aber tatsächlich wachsen wir mit der Herausforderung.
Natürlich nur, wenn wir bereit sind diese auch zu akzeptieren und sich ihr zu stellen.

Wir sind selbstverständlich gestellt, denn die Safebike ist zwar gratis, aber definitiv nicht umsonst.
Gespannt was sich Furios Carl dieses Jahr ausgedacht hat machen wir uns an den drei Tagen (Fr, Sa und So) auf nach Pachfurth, gespannt darauf, was uns dieses Jahr erwartet.
Ja, WIMA-Austria ist im letzten Jahr stark gewachsen, wir könnten mittlerweile einen halben Kurs mit links füllen. Aber, das wollen wir den anderen Teilnehmer*innen lieber nicht antun, obwohl – verlockend wäre es schon das komplette Areal zum Austoben zu haben 😉
Die Wetterprognose ist durchwachsen, alles ist möglich, ein klassischer Tag wo Du nie richtig angezogen bist.
Eh klar, das zumindest diese Prognose zu 100 % zutrifft.
Wir reisen in kleinen Gruppen an, oder auch solo. Aus allen Himmelsrichtungen sind wir zusammengekommen, um dabei zu sein.
Karl Katoch spricht die einweihenden Worte, Moses die erlösenden Worte (Vergleiche: Exodus 17,4) 😉

Und so geht es auf das Gelände wo wir in 5 Gruppen aufgeteilt werden und der Stationen Rundlauf beginnt.
Wir starten mit der Bremstechnik, eine gute Übung um uns und unsere Reifen aufzuwärmen. Noch ist es relativ frisch, aber zum Ende der Übungen starten die Ersten von uns mit dem herausschälen aus den vielen Schichten, die wir angezogen hatten.
Die Reifen qualmen, das ABS stottert, aber mit der Zeit findet jede von uns den richtigen Druckpunkt, um schnell und effizient einen Stopp hinzulegen.
Mission accomplished!

Die nächste Station ist die sogenannte Autobahn Kurve. Hier geht es darum mit Blicktechnik und Haltung auch schnelle Passagen gut zu durchfahren und dabei Spaß zu haben.
Leider setzt kurz nach dem Start Regen ein, wir brechen ab und ziehen uns, nach einer kurzen Beobachtungspause, zu einem verfrühten Mittagessen zurück.
Das Essen: Kurz zusammengefasst, nicht das Highlight des Tages, aber eine gute Gelegenheit zum Networken, Folder verteilen und mit den Trainern zu philosophieren.

Nach dem Essen geht es zurück zur Autobahnkurve, wo wir auf Grund der nassen Fahrbahn vorsichtig unsere Runden drehen, bis die Strecke beinahe wieder auftrocknet. Trotz teilweise gewagter Schräglagen geht diese Übung Unfall frei über die Bühne. Motorradfahrerinnen wie zB. ich, die gerade neue Reifen montiert haben, kennen jetzt auch die Regeneigenschaften ihrer Reifen.

Als nächster Programmpunkt steht die Kreisbahn an.
Grundsätzlich nichts dramatisches und immer eine gute Einladung die Nippel an den Fußrasten ein wenig zu beleidigen. Pachfurth hat aber noch eine kleine Spezialität verbaut. Ein Sektor in der Kreisbahn reagiert auf das Hinterrad und zieht dieses um ca. 35cm nach außen! Damit soll ein temporäres Wegrutschen des Hinterrads in der Kurve simuliert werden. Einfach so, weil sie es können.
Der Respekt ist groß, aber mit der Zeit gewöhnen wir uns alle daran und es stellt sich die nötige Gelassenheit ein, den kurzen Schlenker im Motorrad einfach hinzunehmen.
Wichtig! Die Blickrichtung muss stimmen, dann funktioniert das ganze ohne großes Aufsehen.

Die nächste Station bringt wieder viel Schwung, es handelt sich um die “Bergstrecke” und weil dieses Hügerl grundsätzlich wenig Herausforderung bietet, fallen dem Trainer ein paar zusätzliche Übungen ein, die manch eine unter uns doch ein wenig am Verstand des Trainers und am eigenen Können zweifeln lässt.
Aber auch hier macht Übung die Meisterin und auch diese Hürden werden bravourös gelöst.

Es geht zurück in die Ebene und wie ein Flüsschen mäandern wir durch die Verkehrshütchen die vor uns einen Slalom beschreiben. Dieser wird im Laufe der Zeit immer enger und geschwungener. Die Herausforderung steigt und die Temperaturen auch.
Viele geben nach und nach auf, nur Astrid fährt kühl durch.

Nachdem das unsere letzte Station war, gibt es vor dem versammelten Publikum noch ein paar Abschiedsworte von Karl Katoch und wir werden zum freien Fahren entlassen.

Das einzig Negative am heutigen Tag:
2 Bemerkungen seitens jeweils männlicher Motorradfahrer die uns ein Stirnrunzeln entlockt haben.
Nr. 1: Warum seid ihr den hier? … Hmm, vielleicht aus demselben Grund wie Du?
Nr. 2: Es ist eigentlich eine Verschwendung die Safebike Plätze an Frauen abzugeben…. (ohne Worte…, hier hätte eigentlich nur noch eine Ohrfeige gepasst – aber mit Helm, schwierig 😉 )

Nach dem Training löst sich unsere Gruppe wieder auf und wir brechen einzeln oder in Kleingruppen wieder auf nach Hause.
Damit wäre der Safebike Tag gut zusammengefasst, aber die Referenz zur Bremsflüssigkeit muss noch erläutert werden.
Petra hatte heute Trial Training und wird morgen an der Safebike teilnehmen, als Stopp in Wien hat sie sich ein Hotel in der Nähe des Schnitzelwirts ausgesucht.
Nach einer Odyssee zwischen Fahrradständern, Straßengärten von Vegetarischen Restaurants, Ladezonen, Begegnungszonen, Taxiständen, Öffi Haltestellen, etc…. Gab es sogar, knapp 100m vom Lokal entfernt, eine Lücke die weder Taxistand, noch Öffi Station war und tatsächlich auch das Parken mit Motorrad bzw. Roller erlaubt hat! (Wurde auch ausgiebig mit solchen genutzt)
Wahrlich eine Sensation in einem grünen Bezirk!
Offensichtlich hat hier der/die Verkehrsverantwortliche im Bezirk geschlampt, anders können wir uns es nicht vorstellen wie das passieren konnte. Eine Parklücke für Individualverkehr, tatsächlich EINE in ca. 300m Umkreis, das ist definitiv zu viel für den 7. Bezirk der ja bekanntlich nur dünn besiedelt ist.
Wir sind dafür, dass die oder der dafür Verantwortliche sofort aus dem Verkehr gezogen wird.
Am besten mit einem eTraktor….. 😉

Das es auch im 7. Bezirk eine Gegenströmung dazu gibt, zeigt uns das, mit Gästen bis zum Bersten gefüllte, Lokal. 🙂
Daher zurück zu erfreulicheren.
Die Schnitzel? Gigantisch!
Die Stimmung? Fantastisch!
Die Bremsflüssigkeit? Nicht ohne Nachwirkung! 🙂
Und so ging der Tag der Safebike final zu Ende.

Bitte hinterlasst Eure Meinung zur Veranstaltung. Hat es gefallen?

4 Kommentare

  1. Danke Chris für den Anstoß an der Veranstaltung teilzunehmen und vor allem war es fast vor meiner Haustür. Endlich was für Nordostmenschen 🙂 Dein Bericht ist super und erklärt eigentlich schon alles und ich werde mit euch gerne wieder dort teilnehmen. Mädels, es hat wirklich Spaß gemacht! Es war sehr schön, euch kennenzulernen! Ich bin sehr viel mit meinem Bike unterwegs, aber egal wie oft man am Bike sitzt, dazulernen kann und möchte man immer und das konnte ich dort definitiv!! Es war sehr interessant, aber auch sehr anstrengend, weil doch auch viel Neues dabei war und die Temperaturen innen und außen hoch waren. Beim Hütchenfahren (was zum Glück die letzte Station war) war ich eigentlich schon erledigt, aber ich bin mit einem b r e i t e n G r i n s e n heimgefahren und so soll es sein. Danke an die Stadt Wien, danke an die Instruktoren und danke Chris! PS.: “Ähm.. warum gibt es einen Verein für Frauen am Motorrad?” diese Frage gibt es noch zu beantworten – wobei – den Herrn der Schöpfung nie wieder gesehen….

  2. Kurz angemerkt:
    1.) So ein schöner, umfangreicher Bericht. Mann bekommt Lust, sich unter die kundigen Fittiche des Herrn StürzerKarls und seiner Mannen zu begeben.
    2.) Mann geniert sich fallweise, ein solcher zu sein. Ich dachte, die Generation des 19. Jahrhunderts “Frau in die Küche, Mann an die K(n)arre” wäre ausgestorben. In Gemeindebauhirnen ist offenbar noch immer Hopfen und Malz verloren. Vermute: alles ErzbergrodeoTeilnehmer der vorderen Plätze.

  3. Hallo,
    jede Station hatte ihren eigenen Charme und wurde extrem gut präsentiert. Die Instruktoren hatten Witz und wirklich gute Ratschläge, die im täglichen Dschungel auf der Straße sehr hilfreich sind. So ein wertvolles Training kostenfrei zu erhalten ist eine wirklich tolle Aktion der Stadt Wien – ich werde sicher beim nächsten Mal wieder dabei sein. Dann bin ich mit der Anmeldung rechtzeitig dran und bekomme hoffentlich einen Platz am “Wima-Tag” 🙂

  4. Hallo,
    ich war mit meinen beiden Söhnen dabei und diese hatten, so wie ich auch, sichtlich ihren Spaß.
    Die Stationen sind ausgewogen und jede hat ihre Berechtigung im täglichen Motorrad Leben.
    Ich war bewusst mit meinem neuesten Motorrad (und neuen Reifen) dort, um Extremsituationen zu erfahren und damit für den Alltag besser besser gerüstet zu sein.
    Unbedingt nächstes Jahr wieder. Count me in. 🙂

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