Wima-Austria_Supports Ukraine

Slava Ukraini

Die Ukraine ist im Krieg!
Wir erfahren es in der Schweiz (aber das ist eine andere Geschichte) und sind, so wie auch der Rest der Welt, schockiert.


Am Weg zurück schmieden wir die ersten Pläne, was wir bzw. WIMA in dieser Situation tun kann.
WIMA hat nämlich auch eine Division (Gruppe) in der Ukraine und damit erfahren wir über die diversen Kanäle aus erster Hand die Entwicklung der Ereignisse.
Es ist beunruhigend zu hören, wie sich dieser Krieg auf die zivile Bevölkerung auswirkt. Meine ukrainische Kollegin sitzt in Kiew in einem Keller und beherbergt noch an die 100 weitere Personen, die Zuflucht gesucht haben.
Sie berichtet von laufenden Fliegeralarmen, Erschütterungen durch Explosionen und versteckte Scharfschützen, die wahllos auf Personen schießen, die sich um die raren Güter anstellen.

Sie hat Vorräte, aber natürlich werden diese nicht endlos halten und es ist unsicher wie lange noch Zahlungen aus dem Ausland in Kiew behoben werden können.
Sehr rasch entwickeln sich zwei Pläne.
Plan 1:
Auf internationaler Ebene werden Geldspenden gesammelt und via WIMA Rumänien in benötigte Sachspenden umgewandelt. Diese Sachspenden werden dann mit Rot Kreuz Transporten, unter Begleitung einer rumänischen WIMA, nach Kiew und in andere Städte transportiert.
Auf Grund der Kämpfe sind diese Transporte aber noch unsicher, und so bleibt vorerst ein großer Teil der 17.000 gespendeten €/$ eingefroren und harren der weiteren Entwicklung der Dinge.
Plan 2
Versucht WIMA Ukraine Mitglieder bei der Flucht zu unterstützen und sie von den Grenzen abzuholen.
Dieser Plan wird aber behindert durch den Mut der ukrainischen WIMA’s.
Ähnlich einem Kapitän wollen sie die Ukraine erst verlassen, wenn wirklich alles verloren ist. Bis dahin wollen sie ihre Männer unterstützen, die nun alle im Heer kämpfen. Auch eine WIMA hat sich für den Dienst im Heer gemeldet.

Somit ist unser Dilemma in der WIMA Austria – was machen wir mit dem bisher gespendeten Geld? Frieren wir es ein, probieren wir es in die Ukraine zu überweisen, helfen wir anderweitig?
Die Lösung ist einfach: Wir machen einfach alles. Unser Plan:
* 600 € werden an die Ukraine,
* 200 € an Rumänien überwiesen.
* Wir sammeln Sachspenden (überwiegend Lebensmittel und Hygienematerial) und transportieren diese direkt zur Grenze. Und, wenn sich die Gelegenheit ergibt, nehmen wir auch gerne jemand mit nach Österreich.

Punkt 1 +2 war relativ einfach und schnell umzusetzen, der 3te Punkt braucht ein wenig Recherche, Vorbereitung und Freiwillige, die zur Grenze fahren und dort vor Ort alles abwickeln.
Auch das Einsammeln und Einkaufen der Spenden erfordert ein paar Runden durch Wien.

Die Anfahrt aus Wien ist in 7-8Std möglich, d.h. ein Wochenende sollte reichen, um – mit Aufenthalt an der Grenze – hin und retour zu kommen.

Es gibt verschiedene Routen nach Košice unser Hinweg führt uns durch die niedere Tatra über die E58 direkt nach Košice, für den Rückweg wählen wir dann den o.a. Weg durch die hohe Tatra.

Von Košice geht es weiter nach Michalovce, wo wir uns vorab unser Zimmer für die Nacht reserviert haben.
Wir beeilen uns mit dem Einchecken, denn der Rest unseres Konvois, bestehend aus einem franz. Camper mit Francoise und Dominique, sowie Verena mit ihrem deutschen Fahrzeug, fährt unermüdlich durch.

Ich werde von Laura begleitet, die die ganze Fahrt über die Koordination der einzelnen Kommunikationskanäle aufrecht erhält und bei der Navigation unterstützt.
Die ganze Strecke kommen uns Busse entgegen, sie sind von Privaten, der Feuerwehr oder von regionalen Linien. Alle haben als Ziel den Bahnhof in Košice. Die EU hat vor ein paar Tagen verkündet, dass ukrainische Flüchtlinge gratis innerhalb der EU mit dem Zug fahren können, daher der Bahnhof.

Wir haben gestern Petka, eine slowakische Bekannte vom WRWR kontaktiert, mit der Bitte die Maßnahmen vor Ort für uns zu klären, damit wir uns besser darauf einstellen können.
Wir erfahren auf diesem Weg, dass seitens der Kirchen eine koordinierende Stelle in der Diözese in Košice eingerichtet wurde. Von dort werden wir an eine Sammelstelle in Sobrance weiter gereicht, die Sachspenden entgegen nimmt. (in der Griech. orthodoxen Kirche)
Wir fahren aber auf gut Glück (der letzte Ort hieß Lúčky- wenn das kein gutes Omen ist) gleich direkt zur Grenze.
Es ist schon spät und wir wollen noch die Gegebenheiten vor Ort bei Licht kennen lernen.

Schlussendlich schlagen wir in einer, in drei Reihen aufgestellten, Auto- und LKW Kolonne, ca. 1 km vor der Grenze auf.

Es ist ein hektisches und gleichzeitig ruhiges Treiben vor dem Grenzübergang. Spenden werden in bereitgestellte ukrainische LKW verladen, die dann über die Grenze fahren. Auch wir verladen unsere mitgebrachten Waren in einen dieser LKW’s. Näher zum Grenzübergang stehen die Zelte der unterschiedlichsten Hilfsorganisationen (aufgefallen sind mir Malteser, Caritas und Rotes Kreuz, aber es waren viele mehr). Diese warten ebenfalls auf Sachspenden und verteilen, oder verkochen diese an bzw. für die Flüchtlinge. Die Flüchtlinge kommen paarweise, oder in kleinen Gruppen über die Grenze. Manchmal trägt ein slowakischer Soldat ein kleines Kind die letzten Meter von der Grenzstation zu der Zeltstadt.


Manche weinen, manche lachen, alle suchen entweder bekannte Gesichter in der wartenden Menge, oder probieren sich vor Ort zu orientieren. Für viele ist das Malteserzelt ein guter Start, weil hier Fahrten und Quartiere in halb Europa registriert werden. Auch unser Konvoi hat sich dort registriert, um auf der Rückfahrt Personen nach F, D und A mitnehmen zu können.

Ich probiere auch eine Drohne zu starten, um das Treiben vor Ort besser erfassen zu können, aber der Grenzübergang liegt leider in der Einflugschneise des Flughafens von Uschgorod. Und ohne Sondergenehmigung kann ich die Drohne hier nicht zum Starten bewegen (auch, wenn im Moment sicher kein Flugzeug dort landen wird). Wir machen uns danach solo zurück auf den Weg ins Hotel, um ein wenig auszurasten und auch endlich zu essen. Davor bleiben wir auch noch kurz in Sobrance stehen, um die Sammelstelle bei der Griechisch-orthodoxen Kirche zu checken. Und, tatsächlich stehen dort auch eine Reihe von Transportern und es herrscht reges Treiben beim Entladen der Fahrzeuge.

Am weiteren Rückweg erfahren wir, dass es unseren Französinnen gelungen ist 3 Frauen – Mutter/Tochter und Freundin – mit Ziel in Frankreich (Nantes und Normandie) zu finden. Auch sie sind bereits am Weg retour von der Grenze. Wir tanken noch bei der OMV und lassen die Shell rechts liegen (diese hat zu diesem Zeitpunkt noch russ. Benzin in den Behältern) 😉
Verena wird ein wenig später auch noch Albina und Roman mitbringen, die mit uns zusammen im Hotel übernachten. Albina hat in der Logistik bei Amazon gearbeitet und spricht sehr gutes Englisch. Roman ist einfach nur müde… trotzdem essen sie mit uns noch eine Kleinigkeit und gehen dann schlafen.
Für mich gibt es noch eine spezielle Einladung zum Dessert von Laura, die sich auf den ersten Blick als eine Cookie-Mousse Variante tarnt – yessss! , aber dann, im Geschmack den wahren Inhalt verrät: Banane!

OMG, und das mir, ich mag diese Dinger nicht, mögen sie noch so gesund sein; obwohl vielleicht gerade deswegen? hmmm.
Der Grund, warum mir Laura dieses gut getarnte Teufelszeug auf den Teller geschummelt hat ist ein Insider Joke und ich werde ihn ganz sicher nicht erklären!! Njet.
Abwechslung ist dann wieder am Plan, denn wir laden die 3 Damen aus dem Camper in unsere Hoteldusche ein – das Hotel-Personal ignoriert uns einfach.
Auch hier stellen wir erneut fest, dass die Ukrainerinnen recht gut englisch (oder Französisch) sprechen, alle einen guten Beruf haben bzw. hatten und fest daran glauben, bald wieder in die Ukraine zurück kehren zu können. Alle haben Stunden und Tage in Zügen und anderen Transportmitteln verbracht:
Oft stehend oder am Boden sitzend, gerade einen Koffer und eine Tasche mitgenommen, aber richtig realisiert haben sie ihren Status als Flüchtling noch nicht.
Wir sind nicht allein im Hotel auch andere, oftmals Deutsch sprechende, Personen sind vor Ort und auch der Parkplatz vor dem Hotel zeigt Kennzeichen von nah und fern. Und wir treffen auch im Hotel mitgenommene Flüchtlinge die hier übernachten.

Nach dem Essen und dem Duschen fallen wir nur noch ins Bett, gerade ein paar Zeilen gelingen uns noch in Whatsapp und Co und dann sind wir schon eingeschlafen.

Wir wollen früh frühstücken und auch noch einkaufen, bevor wir erneut zur Grenze fahren, um dort vielleicht jemand mitzunehmen.
Also stehen wir früh auf, die Sonne scheint beim Fenster herein, es könnte ein wunderbarer Tag sein, aber wir wissen beide, dem ist nicht so.
Wir stellen uns vor dem Restaurant an, auch heute ist schon eine Gruppe an Flüchtlingen und Helfer in der Hotellobby und wartet auch. Ich gehe hinaus zum Parkplatz und finde unsere Franz. WIMA’s bereits in Aufbruchsstimmung. Es gibt noch ein au revoir mit Foto und dann sind sie mit ihren drei Damen am Weg nach Frankreich. Bon voyage, mes amies!

Als das Frühstücksbuffet fertig hergerichtet ist können wir uns beim Frühstück austoben, das ebenfalls perfekt ist.
Verena, Albina und Roman sind auch da und freuen sich schon auf die Weiterreise nach München wo sie bei einer Freundin von Verena wohnen können.
Wir packen uns schnell zusammen und brechen zum TESCO auf, den wir gestern entdeckt haben, um unser Auto noch einmal bis zur Decke anzufüllen und noch einmal zur Grenze aufzubrechen.

Der Weg und die Gegebenheiten vor Ort sind nun schon bekannt. Wir fahren unerschrocken – wenn auch nicht unchallenged vom slowakischen Militär 😉 gleich bis zum Grenzübergang vor und geben die mitgebrachten Artikel dieses Mal direkt am Caritas Zelt ab. Hier bekommen Flüchtlinge eine Art Erstversorgung mit benötigten Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs.


Laura sucht in der Zwischenzeit das Zelt der Malteser auf, um bzgl. potentiellen Mitfahrerinnen nachzufragen, während ich mir eine Parkplatz am Rand der Zufahrtsstraße suche, um das Warten auf Passagiere zu ermöglichen.
Ich parke Platz sparend ein und plaudere ganz kurz mit einem Ukrainer, der aus UK gekommen ist.
Er ist mit seinem Transporter zum dritten Mal, mit Zwischenstopps in Polen, hier an der Grenze, um Waren in die Ukraine bringen zu lassen.
Ich überlege gerade wieder zur Grenze vor zu gehen, um Laura zu suchen, da kommt sie schon mit Mutter und Tochter im Schlepptau vorbei.
Wir schaffen es Gepäck und Personen in unserem Auto zu verstauen und dann fahren wir los nach Topoľčany (nördl. von Nitra)
Diesmal nehmen wir ab Košice die nördliche Route an der hohen Tatra vorbei. Es liegt beeindruckend viel Schnee bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.


An einer Tankstelle stoppen wir, um aufzutanken und eine Kleinigkeit zu essen. Als ich die Zapfsäule verlasse, um den nachfolgenden Autos Platz zu machen, sagt eine ukrainische Frau im Vorbeigehen zu uns: Ihr macht das großartig! Vielen Dank! Es ist nett und gleichzeitig ein bisschen peinlich, also fahren wir weiter, immer in Richtung Topoľčany.
Die Landschaft ist auch auf dieser Route sehr schön und macht definitiv Lust auf eine Motorrad Tour in der Slowakei.

Nach ca. 5 Std Fahrzeit kommen wir in Topoľčany an und finden auch den Bruder bzw. Onkel unserer „Fahrgäste“.
Es ist ein kurzer Abschied und wir machen uns auf den Weg zurück nach Hause.
Die Gegend wird immer bekannter, und nach Bratislava stoßen wir auf der Autobahn auf einen Franz/Belgischen Militärkonvoi, der Panzer in Richtung Ungarn verbringt.
Noch einmal wird uns damit in Erinnerung gerufen, was mit diesem total unnötigen Krieg in Bewegung gesetzt wurde.
Österreich begrüßt uns im Kontrast dazu mit der alten Routine: Pass? uninteressant! 3G Nachweis? wichtig! 😉

Wir beide sind müde, glücklich und gleichzeitig traurig.
Eines ist sicher es wird nicht unsere letzte Fahrt sein.

Falls Ihr Fragen habt, wie Ihr helfen könnt meldet Euch gerne bei uns, wir geben Euch gerne Tips aus unseren Erfahrungen.

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https://youtu.be/lu8m5FA2nL8

Ein Kommentar

  1. Eine Rückmeldung von Verena:
    Guten Morgen aus München. Beifall für Chris und Laura. Deutschland ist ein soziales Land und Albina und Roman werden eine Zukunft haben. Das Land unterstützt sie, meine Freunde haben sie gespendet und sie ist bereit, Deutsch zu lernen und zu arbeiten. Das ist erstaunlich. Und sie hat Kontakt zur ukrainischen Gemeinde. Auf einem guten Weg

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